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Lektorat Masterarbeit > Tipps > Masterarbeit schreiben > Eine Quelleninterpretation schreiben: Ein Wegweiser

Eine Quelleninterpretation schreiben: Ein Wegweiser

Veröffentlicht am 12. Mai 2018. Zuletzt geändert am 22. Mai 2023.
Eine Quelleninterpretation schreiben
Inhalt
  • Quelleninterpretation und Quellen in der Masterarbeit
  • Ohne Frage keine Quelle
  • Erster Schritt: Bestimmung des Quellenwertes
  • Zweiter Schritt: Was steht eigentlich drin?
  • Dritter Schritt: Wie lässt sich die Quelle historisch einordnen?
  • Vierter Schritt: Die Einzelinterpretation in der Masterarbeit
  • Literatur

Gerade in Zeiten von Fake News und alternativen Fakten ist es besonders wichtig, zu untersuchen, wo Informationen eigentlich herkommen. Wie sieht meine Quelle aus? Wer steckt dahinter? Welchen Hintergrund hat der Autor und welche Ziele könnte er verfolgen? Sind die Informationen, die er liefert, nachprüfbar? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich Historiker jedoch nicht erst, seit über das Internet fast jeder Inhalt in die ganze Welt hinaustragen werden kann. Quelleinterpretationen sind schon lange methodisch ausgearbeitet. Nur wer eine Quelle richtig einordnen kann, kann auch die richtigen Schlüsse ziehen und korrekt wissenschaftlich arbeiten. Wie man eine gute Quelleninterpretation schreibt und was dabei zu beachten ist, zeigt dieser Artikel.

Quelleninterpretation und Quelle in der Masterarbeit

Eine Quelleninterpretation geht über das bloße Lesen und Herausfiltern der tatsächlichen Inhalte einer Quelle hinaus. Vielmehr steht hier das Analysieren und Bewerten der Quelle im Vordergrund – das sprichwörtliche „Zwischen den Zeilen lesen“ also.

Doch nicht jede Quelle ist gleich. Man unterscheidet zwischen Primärquellen und Sekundärquellen. Als Primärquelle muss jegliche Art von historischer Hinterlassenschaft angesehen werden, die uns unmittelbar überliefert ist. Dazu zählen beispielsweise Briefe, Ausgrabungsfunde (z.B. Vasen, Münzen oder Waffen) sowie Urkunden. Als Sekundärquellen bezeichnet man hingegen alle Quellen, die nicht direkt überliefert sind. Geschichtsschreibung, Biografien und Zeitungsartikel der historischen Zeit können Sekundärquellen sein. Aber Vorsicht: Häufig werden die Begriffe Sekundärquelle und Sekundärliteratur sowie Quelle im Allgemeinen und Literatur synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Bedeutung haben bzw. haben können.

Ohne Frage keine Quelle

Wann ist ein historischer Text aber nur ein alter Text und wann wird er zur Quelle? Wann wird eine Münze vom Zahlungsmittel zur Quelle und eine Vase vom antiken Dekostück zur Quelle? Dies ist tatsächlich zunächst keine Frage der Qualität oder Relevanz eines historischen Dokumentes. Erst in dem Moment, indem man einen alten Text oder eine andere historische Hinterlassenschaft zur Beantwortung einer historischen Fragestellung heranzieht, wird er zu einer Quelle.

Da heißt für die Quelleninterpretation, dass man zuerst eine geeignete Fragestellung und erst dann eine Quelle dazu suchen sollte. Hier sollte man die Hilfe der Betreuer in Anspruch nehmen, da viele Studierende nicht genau wissen, welche Quellen sie verwenden oder wo sie diese finden können. Dozenten haben hier einen besseren Überblick und können auf Quellen, die in Frage kommen, hinweisen.

Erster Schritt: Bestimmung des Quellenwertes

Im ersten Schritt gilt es natürlich die Eckdaten und die bibliographischen Angaben des Autors oder Produzenten der vorliegenden Quelle zusammenzufassen. Am besten funktioniert das mit den 5 W-Fragen: Wer? Wann? Wo? Wie? Warum?

Dazu gehört selbstverständlich in erster Linie die Frage nach der Art der Quelle (s.o.) und ihrer Gliederung sowie nach dem Autor und dem Erscheinungsjahr und -ort. War der Autor Augen- oder Zeitzeuge oder hat er seine Informationen von Dritten? Welchen gesellschaftlichen Stand, welche Bildung und welchen Beruf hatte er? An wen war der Text ursprünglich gerichtet? Wurde der Text ohne äußeren Zwang verfasst oder handelt es sich um eine Auftragsarbeit? Je mehr Informationen zum Rahmen des Dokuments gesammelt werden können, desto besser. Auch Faktoren wie die Wortwahl und der Schreibstil dürfen hier schon durchaus untersucht werden, wenn sie sofort ins Auge stechen. Sobald man diese ersten formalen Informationen herausgefiltert hat, geht es an die inhaltliche Analyse.

Zweiter Schritt: Was steht eigentlich drin?

Um alles aus einer Quelleninterpretation herausholen zu können, muss man natürlich zunächst verstehen, was darin gesagt wird und den roten Faden finden. Welche Thesen werden aufgestellt, welche Aussagen gemacht? Ist der Gedankengang logisch aufgebaut, in sich schlüssig und wird nachvollziehbar argumentiert? Oder wirkt der Text emotional oder sogar wirr? Welche Schlüsselwörter weist der Text auf?

Praktisch für die Bestimmung des Quelleninhalts kann es sein, wenn man Überschriften für Textabschnitte findet und die Quelle so für sich selbst gliedert. Eine Gliederung des Textes ist außerdem besser, als eine inhaltliche Paraphrase, die eine Quelleninterpretation ja niemals sein sollte.

Man merkt es bereits: Die inhaltliche Analyse einer Quelle kann eine zeitaufwändige Aufgabe sein, bei der man sich schnell in kleinsten Details verliert. Deshalb ist es wichtig, von vornerein mit einer konkreten Fragestellung einen klaren Fokus zu setzen. Wenn man weiß, was man eigentlich herausfinden möchte, fällt es leichter, die wesentlichen Faktoren herauszufiltern und weniger Wichtiges nur am Rand zu bemerken.

Dritter Schritt: Wie lässt sich die Quelle historisch einordnen?

Wenn man geklärt hat, was im Text gesagt wird und wie das Gesagte auf den Leser wirkt, lässt sich die Quelle in den großen Gesamtkontext einordnen. Je nachdem, unter welchen Gesichtspunkten man die Quelle bearbeiten will, verschiebt sich natürlich auch die Gewichtung der einzelnen Elemente der Quelleninterpretation. Wenn Aussagen des Autors faktisch falsch sind, sollte man sich fragen: Handelt es sich hierbei um schlichtes Unwissen oder sollte der Leser bewusst in die Irre geführt werden? Welche Intention könnte der Autor damit verfolgen?

Nur mit einem ausführlichen Hintergrundwissen lassen sich die Ergebnisse der Quellenanalyse richtig deuten. Dafür sollte man eine Literaturrecherche von Sekundärliteratur in Form von Kommentaren zur Quelle, Zeitschriften und Sammelbandbeiträgen und Monografien hinzuziehen.

Aber natürlich sollte man auch herausfinden, wie die Quelle zum Beispiel im Verhältnis zu anderen vergleichbaren Materialien steht? Parallelquellen zu finden ist deshalb zentral für die Quelleninterpretation. Betreuer oder Dozenten können auch dabei im Vorgespräch helfen und auf interessante Quellen hinweisen. Auch in der Forschungsliteratur findet man überdies Hinweise auf etwaige Parallelquellen.

Um die historischen Umstände zu verstehen, sind Informationen zu jedem Detail der Quelle in jedem Fall sehr wichtig. Vieles, was einem heutzutage vielleicht komisch vorkommt, war zu einer anderen Zeit ganz normal und ist mehr der Epoche als dem individuellen Autor anzulasten (vgl. Rohr 2015:19).

Vierter Schritt: Die Einzelinterpretation in der Masterarbeit

Nun geht es an das Herzstück der Quelleninterpretation, die Einzelinterpretation. Sie stellt in einer Masterarbeit den Hauptteil dar. Nun deutet man die Informationen, die man in der Quelle gefunden hat. Anschließend macht man sich daran aufzuzeigen, wie glaubwürdig die Aussagen sind, die man in der Quelle gefunden hat. Das tut man, indem man sie mit Parallelquellen und der Sekundärliteratur vergleicht.

Anschließend geht man in die Quellenkritik über, die man jedoch auf das beschränken kann, was man selbst leisten kann. Eine Überprüfung der Echtheit der Quelle anhand des Papiers oder ähnliches ist einem Studierenden in den meisten Fällen natürlich nicht möglich. Nichtsdestotrotz kann man die Expertise von Hilfswissenschaften zu Rate ziehen. In der Forschungsliteratur kann man nachlesen, ob es diesbezüglich wichtige Details zu berücksichtigen gibt.

Was hingegen möglich ist, ist beispielweise die Analyse von Widersprüchen und unterschiedlichen Positionen in Parallelquellen und die grundsätzliche Berücksichtigung der Forschung.

Schließlich gilt es, das Ergebnis, zu dem man gekommen ist, zu bewerten: Kann man die Frage, die man sich selbst gestellt hat, beantworten, oder nicht? Wenn ja kann man die Frage beantworten und ein Ergebnis formulieren. Ist das nicht der Fall, muss die Frage weiterhin offen bleiben. Bei dieser Schwierigkeit für wissenschaftliches Schreiben kann übrigen auch ein Lektorat einer Masterarbeit gute Dienste leisten.

Mit den richtigen Fragen im Hinterkopf und dem Augenmerk auf das große Ganze lässt sich problemlos eine gute und vor allem hilfreiche Quelleninterpretation schreiben. Besonders Historiker sind auf zuverlässige Quellen angewiesen. Schließlich gibt es für die meisten Ereignisse keine Zeitzeugen, sodass man zur Rekonstruktion der Vergangenheit auf Textquellen zurückgreifen muss. Wer weitere Informationen und Tipps rund um das Thema Quelleninterpretation und Quellenkritik sucht, wird zum Beispiel bei der Universität Kassel oder der Universität Rostock fündig.

Literatur

Rohr, Christian (2015): Historische Hilfswissenschaften: Eine Einführung, Stuttgart.

Weiterführende Literatur:

Pandel, Hans-Jürgen (2000): Quelleninterpretation: die schriftliche Quelle im Geschichtsunterricht, Frankfurt am Main.

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Autor:
Marina Feidel
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