Das Abstract als Visitenkarte der Masterarbeit
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- Der wissenschaftliche Abstract – Entscheidungshilfe für die eigenen Leser
- Erkennungszeichen eines Abstracts für die Masterarbeit
- Abstract schreiben für die Masterarbeit leicht gemacht
- Länge und Positionierung des Abstracts
- Literatur
Jeder, der wissenschaftlich schreibt, kennt das: Berge an potenziell für das eigene Thema relevanter Ergebnisse bei der Literaturrecherche. Diese wachsen zudem im Zeitalter der Informationsrevolutionen jedes Jahr an. Aber jeder wägt natürlich ab, ob ein Text einen klaren Mehrwert bringt. Deshalb gibt es kleine Helfer, die sogenannten Abstracts, also Kurzzusammenfassungen von Arbeiten. Wie man einen solchen für die eigene Arbeit erstellt und sich für potentielle Leser interessant macht, zeigt der folgende Übersichtsartikel.
Der wissenschaftliche Abstract – Entscheidungshilfe für die eigenen Leser
Je mehr sich eine Fachdisziplin ausdifferenziert und je mehr Publikationen erscheinen, desto wichtiger wird der eigene Durchblick. Sind von Aufsatz A oder Dissertation B neue Erkenntnisse zu erwarten? Helfen sie wirklich dabei, die eigene Forschungsfrage zu beantworten? Sind sie eigentlich nur wissenschaftlicher Dekor, den zu lesen unnötig Zeit kostet? Um das zu entscheiden, braucht man den (oder das) Abstract.
Es handelt sich hierbei um eine prägnante Inhaltsangabe, laut DIN 1426 ein „Kurzreferat zur Inhaltsangabe“. Man könnte diese eigenständige Textform auch als „Espresso“ eines wissenschaftlichen Aufsatzes (Rettig 2009: 55) oder als „Surrogat“ (Brunnbauer 2009: 1) bezeichnen. Es soll eine effiziente Entscheidung über die „Lesewürdigkeit der Arbeit“ geben (Stickel-Wolf 2006: 249). Er ist sozusagen ein „Paratext“ (Heesen 2014: 17) zur Orientierung.
Aus dem Abstract lassen sich bereits die ersten, wesentlichen Informationen ziehen, auch ohne, dass man das Originaldokument lesen muss. Abstracts können auch dazu dienen, Forschungsberichte teilweise der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, falls dies beim Originaldokument nicht möglich ist. Besonders häufig findet man sie vor Fachaufsätzen.
Es empfiehlt sich in jedem Fall, sie zu lesen. So kann man sich über Ziele, Methoden und Quellen, Thema und Ergebnisse der Arbeit informieren.
Einen wissenschaftlichen Abstract einmal selbst zu schreiben ist kein Muss, wird aber von manchen Dozenten gefordert. Am besten fragt man beim Betreuern nach. Auch bei Konferenzen wird oft verlangt, einen Abstract einzureichen, um zu entscheiden, welche der Vorträge zugelassen werden.
Erkennungszeichen eines Abstracts für die Masterarbeit
Generell darf der Abstract keine Informationen enthalten, die nicht auch im Text enthalten sind. Man sollte auch keine Inhalte nennen, die nicht auch im Hauptteil aufgegriffen werden. Stattdessen sollten nur die wichtigsten Konzepte, Resultate oder Folgerungen eingehen. Denn für alles andere ist kein Platz. Zudem sollte man keine Zitate verwenden oder Begriffe zu ausführlich definieren. Trotzdem sollte man eine Plagiatsprüfung nicht vergessen, da man sich vielleicht nicht bewusst ist, dass man fremdes Gedankengut verwendet hat. Auch beim Lektorat der Masterarbeit sollte der Abstract nicht übersehen werden.
Einen Abstract schreiben heißt, objektiv zu bleiben. Auf keinen Fall sollte man den Text, den man zusammenfasst, bewerten. Dies ist beispielsweise ein Unterschied zu einer Rezension (Brunnbauer 2009: 1). Er sollte zudem so kurz wie möglich sein und eine klare, nachvollziehbare Sprache und Gliederung aufweisen. Alle wesentlichen Sachverhalte sollte man wiederfinden. Wichtig ist auch, dass er genau die Inhalte und die Meinung der Originalarbeit wiedergibt.
Füllwörter wie „eigentlich“, „sozusagen“ und so weiter haben hier nichts zu suchen. Er sollte zusammenhängend, „aus einem Guss“ geschrieben sein, statt nur Inhalte aneinanderzureihen. Auch die grammatikalische Zeit spielt eine wichtige Rolle. Für bereits angewandte Methoden und Resultate wird die Vergangenheitsform verwendet, die Gegenwartsform benutzt man dagegen für Schlussfolgerungen und Hintergrund. Das wissenschaftliche Exposé skizziert das geplante Forschungsvorhaben im Vorfeld. Der Abstrakt hingegen wird er erst geschrieben, wenn die komplette Arbeit schon fertig ist und die wichtigsten Erkenntnisse vorliegen. Der Abstract weckt also nicht die Neugier des Lesers, sondern nimmt die Pointe bzw. das Ende vorweg; schließlich möchte der Leser wissen, was er sich „einkauft“.
Abstract schreiben für die Masterarbeit leicht gemacht
Es ist wichtig im Abstract zu zeigen, was die eigene Arbeit zur wissenschaftlichen Diskussion oder zur Lösung eines Problems beiträgt. Denn je relevanter der Beitrag sich darstellt, umso eher werden andere die Arbeit lesen und damit zum Wissenszuwachs beitragen. Es gilt, die potenziellen Leser zu motivieren, den eigenen Text für ihre eigene Forschung zu lesen und zu nutzen.
Die Zielsetzung der Arbeit sollte erkennbar sein. Die Ausgangslage, Intentionen, Ziele, thematische Abgrenzung, (Hypo-)Thesen des Dokuments sind kurz zu benennen. Gleiches gilt für die Ergebnisse und Schlussfolgerungen, wobei Vermutungen und Fakten klar getrennt sein müssen (vgl. Heesen 2014: 17). Auch die Untersuchungsmethoden und -techniken sollte man erwähnen, jedoch nur in dem Maße, wie es für das Verständnis notwendig ist.
Folgender systematischer Aufbau empfiehlt sich – siehe hierzu auch den Leitfaden der Universität Regensburg und der Universität Mannheim:
- Fragestellung: Welche Fragen soll der Text beantworten, was ist der Umfang der Forschung, was sind zentrale Argumente und Behauptungen? Was sind grundlegende Thesen (bei empirischen Arbeiten)?
- Methodologie: Welche Methoden und Zugänge nutzt man? Wie möchte man mit den Daten umgehen?
- Ergebnisse: Zu welchen Ergebnissen kam die Forschungsarbeit? Was sind Implikationen und Anwendungsmöglichkeiten?
- Implikationen: Was fügt der Text unserem Wissen über das Thema hinzu? Warum ist er wichtig und relevant dafür?
Darüber sollte man natürlich nicht vergessen, Autor und Titel des Textes zu nennen. Auch die wichtigsten Informationen sollte man zuerst platzieren (vgl. auch Brunnbauer 2009).
Länge und Positionierung des Abstracts
Die Meinungen darüber, wie lang ein Abstract sein sollte, variieren leicht. Letztlich geht es darum, alle wichtigen Informationen über die eigene Arbeit unterzubringen. Die Länge sollte zwischen mindestens 100 und maximal 250 Wörtern liegen. Vielleicht liegt aber auch eine genaue Vorgabe vom jeweiligen Betreuer vor?
Wenn man einen Aufsatz zusammenfassen möchte, sollte der Abstract dazu nicht mehr als zehn Prozent des Textumfangs umfassen. Bei kürzeren Abstracts (ca. 100 Wörter oder weniger) handelt es sich um so genannte „deskriptive Abstracts“. Sie beschreiben bloß den Umfang, die Methoden und das Ziel des betreffenden Textes. Dementsprechend bestehen sie manchmal nur aus einem oder zwei Sätzen.
Ein Abstract steht meistens vor dem (optionalen) Vorwort und dem Inhaltsverzeichnis. Laut Stickel-Wolf (2006: 249) sollte man vor dem Abstract ein leeres Blatt einfügen, das mitgezählt wird. Damit andere die eigene Arbeit mühelos finden können, hilft es, den Abstract um charakterisierende Schlagworte zu ergänzen. Auf diese Art und Weise können Bibliotheken sie in ihre Kataloge aufnehmen. Für Arbeiten in internationalisierten Fachdisziplinen ist es sinnvoll, zusätzlich eine englische Version anzufertigen.
Auch, wenn man unsicher ist, ob man einen Abstract schreiben sollte oder nicht – schaden kann es nicht. Es hilft sogar dabei, die eigene Arbeit noch einmal auf ihre wissenschaftliche Fragestellung und ihren Methodeneinsatz hin zu reflektieren. In jedem Fall sollte man sich den roten Faden im Rückblick klar machen. Das kann für wissenschaftliche Verteidigungen, aber auch für Vorträge auf Konferenzen goldwert sein.
Literatur
Heesen, Bernd (2014): Wissenschaftliches Arbeiten. Methodenwissen für das Bachelor-, Master- und Promotionsstudium, Berlin.
Rettig, Heike (2017): Wissenschaftliche Arbeiten schreiben, Stuttgart.
Stickel-Wolf, Christine und Joachim Wolf (2006): Wissenschaftliches Arbeiten und Lerntechniken, Wiesbaden.
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