Zeitformen in der Masterarbeit richtig einsetzen
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- Übersicht: Welche Zeitformen gibt es überhaupt?
- Immer eine gute Wahl: Das Präsens in der Masterarbeit
- Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt: Vergangenes berichten
- Der Sonderfall: Der Konjunktiv in der Masterarbeit
- Literatur
In der Alltagskommunikation macht man sich selten Gedanken darüber, aber sobald man eine wissenschaftliche Arbeit beginnt, wird es einem bewusst. Welche Zeitformen gibt es in der deutschen Sprache eigentlich? Und vor allem: Wie setze ich sie richtig ein? Wenn man eine Fremdsprache lernt, lernt man schließlich auch automatisch die Verwendung des richtigen Tempus mit. In der eigenen Muttersprache handelt man dagegen nach Gefühl, wirft Zeitformen fröhlich durcheinander und unterwirft sich nur den schwammigen Gesetzen der Umgangssprache. Um dabei zu helfen, eine sprachlich korrekte Arbeit abzuliefern und die Verwirrung um die Zeitformen des Deutschen zu beseitigen, gibt dieser Ratgeber einen kompakten Überblick über die wichtigsten Aspekte.
Übersicht: Welche Zeitformen gibt es überhaupt?
Um die richtige Zeitform zu finden, muss man zunächst erst einmal wissen, welche Zeitformen es überhaupt gibt. Im Gegensatz beispielsweise zum Englischen oder Französischen gibt es im Deutschen dementsprechend nur eine Zeitform der Gegenwart: das Präsens („ich bin“). Die Vergangenheit gestaltet sich mit drei Zeitformen dann schon etwas komplexer. Je nach Kontext kommt hier das Präteritum („ich war“), das Perfekt („ich bin gewesen“) oder das Plusquamperfekt („ich war gewesen“) infrage. Für Zukunftsfragen sollte man auf das Futur I („ich werde sein“) oder das Futur II („ich werde gewesen sein“) zurückgreifen. Es fällt vielleicht bereits auf, je komplexer die Zeitform, desto seltener ihre Verwendung in der Alltagssprache. Und zum Glück kann man auch im akademischen Umfeld zu großen Teilen auf komplizierte Gebilde verzichten.
Immer eine gute Wahl: Das Präsens in der Masterarbeit
Das schlichte Präsens bietet sich erst einmal für jeden Teil der schriftlichen Arbeit gut an. Mit seiner Hilfe können eigene Gedanken, Hypothesen oder ein Fazit formuliert („Meiner Meinung nach ist XY…“), aktuelle oder zukünftige Absichten artikuliert („In der vorliegenden Arbeit untersuche ich…“) und fremde Inhalte wiedergegeben werden („Autor X erklärt…“). Auch klassische Definitionen („Das Präsens ist eine Zeitform des Deutschen.“) werden stets im Präsens formuliert (vgl. Heesen 2014:41).
Selbst vergangene Ereignisse lassen sich mit diesem Tempus beschreiben. Als sogenanntes historisches Präsens (praesens historicum) kann es im Rahmen einer Erzählung genutzt werden, um Geschichten aus der Vergangenheit unmittelbarer erscheinen zu lassen und besser in den Text zu integrieren („Der Krieg endet 1945“). Dieses Stilmittel sollte aber nur für emotional aufgeladene oder persönliche eingefärbte Ereignisse genutzt werden. Für die neutrale Beschreibung eines beendeten Vorgangs oder einer Ereigniskette bietet sich eher das Präteritum an.
Generell lässt sich sagen: Das Präsens kann man immer dann nutzten, wenn man allgemein gültige, überzeitliche Aussagen machen will und ist eine gleichermaßen gute Wahl für Einleitung, Hauptteil und zum Teil auch für das Fazit einer Arbeit.
Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt: Vergangenes berichten
Aber natürlich gibt es in (fast) jeder Arbeit auch Stellen, an denen die Gegenwartsform unpassend oder sogar falsch ist. Wann welche Vergangenheitsform angebracht ist, zeigt ein Blick auf die engeren Definitionen.
Das Perfekt wird vor allem dann genutzt, wenn eine Handlung aus der Vergangenheit einen direkten Bezug zur Gegenwart hat (vgl. Balzert et al. 2008:245). Was vielleicht zunächst kompliziert klingt, ist in Wahrheit recht simpel. Eine Aussage wie „A hat sich als Erster mit Thema B beschäftigt“ steht idealerweise im Perfekt – schließlich ist A bis heute der Erste.
Das Präteritum – auch Imperfekt genannt – hingegen beschreibt eine abgeschlossene Handlung. Es wird häufig genutzt, um eine chronologische Abfolge von Ereignissen zu beschreiben („C griff einige Jahre später Thema B auf und ergänzte die These“). Im mündlichen Sprachgebrauch greift man in solchen Situationen häufig auf das Perfekt zurück. So kommt einem die Nutzung des Präteritums zunächst ungewohnt und vielleicht sogar falsch vor. In der Schriftsprache ist das Präteritum jedoch unverzichtbar und wesentlicher Bestandteil eines guten wissenschaftlichen Schreibstils.
Das Plusquamperfekt ist die sogenannte Vorvergangenheit. Ähnlich dem Perfekt beschreibt es eine Aktion, die direkten Bezug zu einem Ereignis in der Vergangenheit hat („A schloss sich mit C zusammen, nachdem er dessen Ausführungen gelesen hatte“). Diese Form der Vergangenheit erschwert den Lesefluss und sollte deshalb nur dann eingesetzt werden, wenn es nicht anders geht.
Wenn Studien, Untersuchungen oder Umfragen Bestandteil beim wissenschaftlichen Arbeiten sind, sollte man für die Beschreibung der einzelnen Schritte die passende Vergangenheitsform wählen. Beispiel: „Wir wählten 100 Probanden aus.“/„Die Probanden mussten 60 Fragen beantworten, nachdem sie den Film gesehen hatten.“. Die Verwendung des Präsens ist an dieser Stelle nicht angebracht und würde dem Text den unerwünschten Charakter eines Beobachtungsberichts oder Tagebuchs verleihen.
Der Sonderfall: Der Konjunktiv in der Masterarbeit
Der Konjunktiv ist keine Zeitform, ist aber trotzdem gerade im akademischen Umfeld unverzichtbar. Konjunktiv I („ich sei“) und Konjunktiv II („ich wäre“) sind unerlässlich, um indirekte Rede und damit auch indirekte Zitate grammatikalisch korrekt wiederzugeben. „Der Wissenschaftler berichtet, er habe alle nötigen Erkenntnisse erlangt“ ist demnach ein einwandfreies indirektes Zitat. Der fehlerfreie Einsatz des Konjunktiv I wird von vielen häufig als schwierig bezeichnet, da er in der Alltagssprache so gut wie keine Verwendung findet. Er hilft dem Leser aber dabei, auf den ersten Blick fremde und eigene Gedanken zu trennen.
Welche Zeitform richtig oder falsch ist, ist nicht immer ganz trennscharf zu definieren. Generell gilt: Mit dem Präsens macht man in den meisten Fällen nichts falsch; Plusquamperfekt und die Formen des Futurs tauchen eher selten auf. Am wichtigsten ist es, dass eine Einheitlichkeit in der Wahl der Zeitform entsteht. Zahlreiche wilde Zeitsprünge sind nicht nur verwirrend für den Leser. Sie weisen vor allem auch auf eine mangelhafte Struktur oder Gliederung der Arbeit hin und lassen befürchten, dass der rote Faden fehlt. Auf Websites wie denen der Technischen Universität Freiberg oder der Universität Hamburg findet man weitere Tipps zum richtigen Umgang mit Zeitformen in der Masterarbeit. Zudem hilft ein Lektorat der Masterarbeit, Fehler zu erkennen und zu verbessern.
Literatur
Balzert, Helmut et al. (2008): Wissenschaftliches Arbeiten: Wissenschaft, Quellen, Artefakte, Organisation, Präsentation, Witten.
Heesen, Bernd (2014): Wissenschaftliches Arbeiten: Methodenwissen für das Bachelor-, Master- und Promotionsstudium, Heidelberg.
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