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Lektorat Masterarbeit > Tipps > Wissenschaftliche Methoden > Eine empirische Arbeit schreiben: die besten Tipps

Eine empirische Arbeit schreiben: die besten Tipps

Veröffentlicht am 23. Mai 2018. Zuletzt geändert am 22. Mai 2023.
Empirische Masterarbeit
Inhalt
  • Allgemeine Begriffsklärung
  • Vorgehensweise bei der Masterarbeit
  • Quantitative vs. Qualitative Forschung
  • Empirische Methode auswählen
  • Vor- und Nachteile einer empirischen Masterarbeit
  • Literatur

Es ist der Wunsch vieler angehender Akademiker aktiv in der Forschung tätig sein. Um diesem Traum näherzukommen, spielen Studierende nicht selten mit dem Gedanken, bereits in ihrer Masterarbeit empirisch vorzugehen. Die eigene Forschungsarbeit bringt schließlich Ansehen und bietet zudem die Gelegenheit, das Zepter selber in die Hand zu nehmen.
Wer also keine Lust hat, wochenlang Bücher zu wälzen und lieber selber aktiv sein möchte, kann statt einer theoretischen eine empirische Arbeit verfassen. Einige Punkte sind dabei jedoch zu beachten.

Allgemeine Begriffsklärung

Der Begriff empirisch kommt von dem griechischen Begriff empeiria und bedeutet so viel wie „erfahrungsmäßig, auf Erfahrung beruhend“. Diese Erfahrung kann auf einer Umfrage, Interviews oder Experimenten basieren. Ganz allgemein geht es darum, Aussagen über die Realität zu treffen, Theorien abzuleiten und diese dann im Anschluss mit Hilfe der gewählten Forschungsmethode zu überprüfen.

Martin Eisend und Alfred Kuß bringen es wie folgt auf den Punkt: „Empirische Forschung ist das zentrale Hilfsmittel, um die Wahrheitsnähe bisherigen Wissens zu überprüfen und festzustellen, ob alternative/neue Ansätze zu größerer Wahrheitsnähe führen“ (Eisend/Kuß 2017: 14).

Eine empirische Arbeit ist dabei in ganz unterschiedlichen Bereichen von Bedeutung: Historiker, Ethnologen und Statistiker führen empirische Erhebungen genauso durch wie Mediziner oder Geographen. Sie kommen dort zum Einsatz, wo es beispielsweise um das Aufspüren von Vorurteilen geht, bei der Untersuchung der Konsumgewohnheiten oder der Mobilität privater Haushalte. Wer etwa den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs plant, kann durch eine empirische Arbeit nähere Informationen über die Nachfrage eines solchen Angebots einholen. Mit Hilfe von Befragungen sind Forscher im Stande herauszufinden, ob etwa ein Bedarf nach mehr Nachtbussen besteht.

Vorgehensweise bei der Masterarbeit

In der Planungsphase sollte man sich mit den folgenden vier Fragen gründlich auseinandersetzen:

  • Was wird untersucht?
  • Wer wird untersucht? (das Untersuchungsfeld, die Stichprobe festlegen)
  • Womit wird untersucht?
  • Wie wird untersucht?

Es geht darum, eine Hypothese zu entwickeln und den Untersuchungsgegenstand zu formulieren. Hierfür muss man alle relevanten Informationen zusammengetragen und systematisieren. Vor der Auswertung des Materials steht somit eine ausgiebige Literaturrecherche. Denn auch wenn es um eine empirische Arbeit geht, darf man die Theorie nicht außer Acht lassen und sollte den gegenwärtigen Forschungsstand wiedergeben. Wer Zugriff auf bereits vorhandene Rohdaten hat, kann diese zur Hilfe heranziehen.

Schließlich sollte man prüfen, welche Forschungsmethode für das gewählte Thema in Betracht kommt. Es empfiehlt sich, diesbezüglich mit dem Betreuer Rücksprache zu halten. Zudem gilt es, vorab die Rahmenbedingungen zu klären, das heißt, man muss prüfen, welche Räumlichkeiten und Materialien zur Verfügung stehen und welche Versuchspersonen man heranziehen möchte. Häufig bieten Universitäten einen Online-Leitfaden an, an dem sich die Studierenden orientieren können.

Ist die Hypothese aufgestellt und die passende Untersuchungsmethode gefunden, geht es darum, sie den ermittelten Daten gegenüberzustellen. Die Ergebnisse sollte man im Anschluss begründen und diskutieren. Hierzu muss natürlich das entsprechende Auswertungsverfahren gewählt sein. Ein gängiges Programm zur statistischen Datenanalyse ist SPSS (Statistical Package for the Social Science), auch PASW genannt (Vgl. Mayer 2013, 7).
Doch wie findet man die passende Untersuchungsmethode? Greift man auf Befragung, Messung oder Beobachtung zurück?

Quantitative vs. Qualitative Forschung

Quantitative und qualitative Forschungsmethoden unterscheiden sich zwar in einigen Dimensionen, aber sie schließen sich nicht unbedingt aus.
Quantitative Forschung ist stets auf Fakten ausgerichtet und daher objektiv. Sie ist bemüht, Erklärungen zu identifizieren, während der qualitative Ansatz interpretativer vorgeht und sich auf subjektives Verstehen fokussiert. Die quantitative Wissenschaft arbeitet beispielsweise mit Meinungsumfragen, Experimenten oder Erhebungen.
Eine qualitative Analyse hingegen erhebt nicht-standardisierte Daten und wertet sie aus, zum Beispiel durch das Interview.

Empirische Methode auswählen

Die Wahl der geeigneten Forschungsmethode ist ein zentraler Bestandteil des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns. Schließlich muss die gewählte Methode der Fragestellung auch angemessen sein. Auch pragmatische Überlegungen spielen hier mit rein, wie beispielsweise die Umsetzbarkeit oder persönliche Vorlieben. Doch welche Vorgehensweisen gibt es?

Befragung

In Masterarbeiten sind sie immer wieder ein zentrales Thema: Mehr und mehr Studierende möchten ihre Abschlussarbeit mit Hilfe einer Befragung praxisnaher gestalten. Befragungen liefern qualitative und quantitative Daten.

Schriftliche Befragungen erfolgen etwa in Form von Briefpost, E-Mails oder Online-Befragungen. Die Vorteile der Methode liegen auf der Hand: Die Studierenden sind mit diesem Instrument in der Lage, eine hohe Teilnehmerzahl zu erreichen und viele Personen aus unterschiedlichen Orten anzusprechen. Die Anonymität der Befragten begünstigt zudem eine unverfälschte, ehrliche Meinungsäußerung. Darüber hinaus lassen sich Fragebögen standardisieren und mittels entsprechender Computerprogramme auswerten. Nachteile bestehen darin, dass man keine Möglichkeit hat, auf potenzielle Verständnisschwierigkeiten beim Beantworten der Fragen einzugehen. Zudem erhält man nicht immer alle Fragebögen vollständig ausgefüllt zurück (Vgl. Balzert/Schäfer/Schröder/Kern 2008, 55f.).

Interview

Das Interview ist ein Gespräch zwischen einem Wissenschaftler und einem Probanden, mit dem Ziel, detaillierte Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt zu erhalten. Im Gegensatz zu einem standardisierten Fragebogen sind mündliche Interviews interaktiv. Der Interviewer ist in der Lage, die Formulierung der Fragen an die jeweilige Situation und sein Gegenüber anzupassen.

Experiment

Das Experiment wiederum „[..] meint ein Verfahren, das versuchsweise benutzt wird und das sich durch ein Herumtasten und Ausprobieren auszeichnet. Es dient vor allem dazu, Erfahrungen zu sammeln.“ (Häder, Michael 2015: 345).

Man unterscheidet Feldexperimente von Laborexperimenten. Erstere untersuchen die Versuchspersonen in ihrer natürlichen und gewohnten Umgebung, mit der Konsequenz, dass die Probanden häufig gar nicht wissen, dass sie Teil einer Studie sind. Feldexperimente gewährleisten eine hohe Generalisierbarkeit und sie sind frei von gefälschten Ergebnissen, die sich aufgrund der typischen Laborsituation mitunter ergeben.

Laborexperimente finden, wie es der Name bereits vermuten lässt, in einer vollständig kontrollierten und geschützten Situation statt. Mögliche Störeinflüsse lassen sich ausschalten und die möglicherweise hohen Kosten sowie der hohe zeitliche Aufwand des Feldexperiments vermeiden. Im Allgemeinen eignen sich Experimente insbesondere für die Grundlagenforschung.

Beobachtung

Beobachtungen eignen sich ebenfalls gut, um an wissenschaftliche Erkenntnisse zu gelangen. Beobachtungen kommen zum Beispiel häufig in der Pädagogik zum Einsatz, da kleine Kinder meist nicht in der Lage sind, direkt verbal Auskunft zu geben.

Gruppendiskussion

Zu guter Letzt existiert noch die Gruppendiskussion. Sie ist ein typisches Mittel, um qualitative Ergebnisse zu erzielen. Sie ist geeignet, um erste Informationen zu einem Thema zu gewinnen. Die ungleiche Aktivität der einzelnen Diskussionsteilnehmer beeinträchtigt die Aussagekraft dieser Methode allerdings genauso wie die gegenseitige Beeinflussung der Personen.

Die Hinweise der Universität Trier liefern weitere Einblicke in die verschiedenen empirischen Forschungsmethoden.

Vor- und Nachteile empirischer Masterarbeiten

Wer sich dazu entschließt, in seiner Masterarbeit empirisch vorzugehen, muss den hohen zeitlichen Aufwand bedenken, den diese Verfahrensweise mit sich bringt. Es gilt, nicht nur die theoretische Einbettung des Themas zu beachten, sondern auch die anschließende Datenanalyse nicht zu unterschätzen. Zusammen mit dem umfassenden praktischen Teil erfordert empirisches Forschen mitunter ein hohes Engagement, das in einem zeitlich begrenzten Rahmen zu erbringen ist. Darüber hinaus ist man von den Versuchsteilnehmern abhängig. Dass einzelne Probanden Fragebögen nicht rechtzeitig zurückgeben oder möglicherweise kurzfristig abspringen, sollte man stets einkalkulieren.
Auf der anderen Seite profitieren die Studierenden von dem hohen Stellenwert, den aktiv betriebene Forschung mit sich bringt. Man hat stets die Kontrolle über das Geschehen und der Kontakt zu Außenstehenden stellt einen Gewinn gegenüber einer reinen Recherche-Arbeit dar. Eine weitere Hilfestellung für eine empirische Arbeit sind die Tipps der Freien Universität Berlin oder eine Lektorat für eine Masterarbeit.

Ob nun mit Hilfe von Interviews, Experimenten oder Umfragen: Beim Sammeln der Daten haben Studierende die Qual der Wahl. Es ist daher ratsam, sich rechtzeitig Gedanken über die eigene Vorgehensweise zu machen. Doch die Mühe lohnt sich:

Eine empirische Arbeit bringt durchaus Vorteile, wenn man einige Regeln beachtet. Nur wer früh genug mit der Planung seiner Arbeit beginnt, kann am Ende mit eigenen Ergebnissen auftrumpfen und der erfolgreichen Abschlussarbeit steht nichts mehr im Weg.

Literatur

Balzert, Helmut/Schäfer, Christian/Schröder, Marion/Kern, Uwe (2010): Wissenschaftliches Arbeiten. Wissenschaft, Quellen, Artefakte, Organisation, Präsentation, Herdecke/Witten.

Häder, Michael (2015): Empirische Sozialforschung. Eine Einführung, Wiesbaden.

Eisend, Martin/Kuß, Alfred (2017): Grundlagen empirischer Forschung. Zur Methodologie in der Betriebswirtschaftslehre, Wiesbaden.

Mayer, Horst Otto (2013): Interview und schriftliche Befragung. Grundlagen und Methoden empirischer Sozialforschung, München.

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Autor:
Marina Feidel
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