Sieben Regeln für guten wissenschaftlichen Schreibstil
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- 1. Die Kürze ist die Schwester des Talents
- 2. Bleibe sachlich und halte Distanz in der Masterarbeit
- 3. Vermeide unnötige Fremdwörter
- 4. Verfalle nicht in Amtssprache
- 5. Benutze keine Wörter, die es nicht gibt
- 6. Vermeide in der Masterarbeit Endlossätze und Wortmonster
- 7. Halte Dich an Deinen eigenen Stil
- Literatur
Da es sich bei der Masterarbeit in erster Linie um eine Qualifizierungsarbeit handelt, sollte unbedingt auf den Schreibstil geachtet werden. Denn gerade die sprachliche Kultur beim wissenschaftlichen Arbeiten erlaubt es, die allgemeine Kultur ihres Autors am besten zu beurteilen. Der Schreibstil verrät dem Prüfer, ob und wie der Student das Thema verstanden hat und wie er bei seiner Forschung vorging. Dies soll aber keineswegs abschreckend wirken, sondern eher Mut machen. Denn wissenschaftlich schreiben ist nicht so schwer, wie man annehmen könnte – wenn man sich an bestimmte Grundsätze hält. Hier kommen sieben goldene Regeln für guten wissenschaftlichen Schreibstil.
1. Die Kürze ist die Schwester des Talents
Diese Worte stammen von Anton Tschechow und dürfen als wichtigste Regel für das Masterarbeit schreiben angesehen werden. Hier also die gute Nachricht: Weniger ist mehr. Je kürzer und verständlicher ein komplexer Sachverhalt erklärt wird, desto besser. Die schlechte Nachricht: Es ist gar nicht so einfach, kurz und präzise zu formulieren. Als Faustregel gilt hier: Die Dinge sollten beim Namen genannt werden. Um den heißen Brei zu reden und den Text in die Länge zu ziehen, um die benötigte Wortanzahl zu erreichen, sollte man gleich vergessen. Treffende Wörter und eine logische Gedankenführung sind das A und O eines guten Schreibstils in der Masterarbeit.
2. Bleibe sachlich und halte Distanz in der Masterarbeit
Eine wissenschaftliche Arbeit ist kein Roman, kein Brief und kein Tagebucheintrag. Dementsprechend sollte in der Masterarbeit sachbezogen und objektiv geschrieben werden (vgl. Kühtz 2011: 23). Das bedeutet, dass Wertungen, ob positiv oder negativ, im Text nicht vorkommen dürfen („In diesem grandiosen Buch wird das überaus düstere Schicksal des großartigen XY beschrieben…“) Dasselbe gilt für Sprichwörter, Füllwörter oder Verallgemeinerungen (natürlich, immer etc.).
Der Autor sollte eine neutrale Perspektive einnehmen. Die Ich-Perspektive ist in wissenschaftlichen Arbeiten nur in Ausnahmefällen akzeptabel, nämlich in Textpassagen, in denen der Autor erklärt, was seine Motive für die Forschung sind und wie er beim Schreiben vorgeht. Allerdings ist es auch hier ratsam, diese Sätze so umzuformulieren, dass man als Autor im Hintergrund bleibt („In der vorliegenden Arbeit werde ich das Thema XY beleuchten.“ vs. „Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit XY/ thematisiert XY.“)
3. Vermeide unnötige Fremdwörter
Sicherlich kommt man in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht um Fachtermini herum. Im Gegenteil, Fachbegriffe sind erwünscht. Aber damit sollte man es auch gut sein lassen. Der Autor steht nicht klüger da, wenn er in seine Arbeit lauter komplizierte Wörter und schnörkelige Synonyme einbaut. Es kann sogar nach hinten losgehen und den Prüfer früher oder später gewaltig nerven. Besonders schlimm sind Anglizismen, für die es adäquate deutsche Ausdrücke gibt (Negativbeispiel hierfür wäre Jil Sander in der Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. März 1996, mit folgendem Satz: „Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander.“)
4. Verfalle nicht in Amtssprache
Bei all der Neutralität und Sachlichkeit kann es dazu kommen, dass der Text zu trocken, langweilig und im schlimmsten Falle unverständlich wirkt. Ein sicheres Zeichen für zu viel Sachlichkeit ist der Nominalstil (vgl. Nickolaus 2010: 18). Dies ist ein Sprachstil, bei dem auf Verben verzichtet wird und dafür übermäßig viele Substantive gebraucht werden („das Aufspüren des Fehlers durch das Auswerten des Quellcodes“).
Nicht, dass der Nominalstil in der Masterarbeit gar nicht vorkommen darf. Die Menge macht den Unterschied. Sobald die Substantive das Lesen erschweren, sollte man sich lieber wieder auf aktives Schreiben und die guten alten Verben besinnen.
5. Benutze keine Wörter, die es nicht gibt
Die oben stehende Regel betrifft nicht nur den wissenschaftlichen Schreibstil, sie ist allgemeingültig. Man sollte keine Formulierungen verwenden, die es nicht gibt. Es gibt keinen Superlativ vom Superlativ: So wie man nicht „ein bisschen schwanger“ sein kann, kann man auch nicht der „einzigste“ sein, „maximalsten“ Output produzieren oder jemandem in „keinster“ Weise zustimmen.
An dieser Stelle kann ebenfalls der Anthropomorphismus – also die Vermenschlichung – erwähnt werden („Bakterien lauern überall“, „Pflanzen wissen intuitiv“ und „die Abbildung erklärt“). Solche Formulierungen sollten vermieden werden, da sie die wissenschaftliche Arbeit unseriös wirken lassen.
6. Vermeide in der Masterarbeit Endlossätze und Wortmonster
Lange Sätze und Wörter sind wahre Leselust-Killer. Sobald der Leser einen Satz im Text zweimal lesen muss, hat der Autor schon verloren. Sätze sollten möglichst kurzgehalten und Wortketten („Direktmarketingabteilungsleiter“) vermieden werden.
Komplizierte Schachtelsätze enthalten meist nicht nur zu viele Wörter, sondern auch unwichtige Informationen, auf die gern verzichtet werden darf. Überhaupt sollte jeder Satz in der wissenschaftlichen Arbeit dazu dienen, Gedanken klar darzulegen. An der Klarheit der Sprache erkennt der Prüfer, ob und wie klar der Student denkt (vgl. Theisen 2013: 154). Die Ausnahme hier: Einleitung, Überleitungen oder kurze Zusammenfassungen (Abstract). Diese transportieren zwar keine neuen Informationen, sind aber nötig, um den roten Faden nicht zu verlieren.
7. Halte Dich an Deinen eigenen Stil
Man muss Stil nicht erzwingen, denn er wird sich beim Schreiben von selbst herauskristallisieren. Besonders wichtig ist hier, dass der Schreibstil rund und konstant wirkt. Man sollte also nicht zwischen Zeitformen und Erzähl-Perspektiven wechseln oder gar in den Stil der zitierten Autoren verfallen. Prägnant, eindeutig und knackig sollte der Text sein. Und: Den Leser bei Laune halten, zum Beispiel mit aussagekräftigen Kapitelüberschriften und spannenden Beispielen.
Sollte man trotz eines guten wissenschaftlichen Schreibstils und einer klaren Gliederung vor Augen mal nicht weiterwissen oder eine Schreibblockade haben, dann darf (und sollte!) man zu Hilfsmitteln greifen. Zum Beispiel zur Liste der Formulierungshilfen der Universität Frankfurt am Main. Oder zu den überaus nützlichen Hinweisen der Technischen Universität Dresden, aus denen deutlich wird, dass wissenschaftliches Schreiben keine Begabung, sondern ein Handwerk ist. Zudem bieten die Hochschulen oft selbst Schreibkurse. Private Anbieter, beispielsweise ein professionelles Lektorat für die Masterarbeit, bieten ebenfalls Unterstützung an. Sie können den Schreibstil verbessern oder durch Umschreiben retten.
Literatur
Jackob, Nickolaus (2010): Die Kunst des Einfachen: Zehn Vorschläge für einen guten wissenschaftlichen Schreibstil, in: Fachjournalist Heft 2/2010.
Kühtz, Stefan (2011): Wissenschaftlich formulieren. Tipps und Textbausteine für Studium und Schule, Paderborn.
Theisen, Manuel-René (2013): Wissenschaftliches Arbeiten: Erfolgreich bei Bachelor- und Masterarbeit, 16. Aufl. München.
Weiterführende Literatur:
Plümper, Thomas (2003): Effizient Schreiben. Leitfaden zum Verfassen von Qualifizierungsarbeiten und wissenschaftlichen Texten, München.
Theisen, Manuel Rene (2002): Wissenschaftliches Arbeiten. Technik, Methodik, Form, München.
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